In der Halle des Bergkönigs

14. Januar 2012 von risottodirk

Die Firma Citroen hat einen Musikwettbewerb ausgeschrieben. Man soll einen Klassiker (ja, hier kann man wirklich von Klassikern reden) so durch den Wolf drehen, dass bei der Jury und/oder dem Online-Publikum gut ankommt. Letztlich soll damit das neue Modell DS5 beworben werden. Ich bin mal die Liste der Stücke durchgegangen und habe spontan bei Grieg angebissen. Das Stück aus der Peer-Gynt-Suite haben ja schon viele Nicht-Klassiker bearbeitet, was mich nicht davon abgehalten hat es auch zu tun.

Ich habe mir die Noten der Klavierversion besorgt und erst einmal die Melodie “eingspielt”.
Die Grundstruktur des Stückes besteht aus sich 2 sich abwechselnden Teilen in “komplementären” Tonarten (h-Moll f#-dur) der A-Teil in h-Moll steht für Peer Gynt, der sich in die Halle des Bergkönigs schleicht), im B-Teil in f#-dur treiben die Trolle ihr Unwesen. Ein gute Einleitung zu dem Stück gibt Paul Barton in seinem Tutorial.

Ich habe mich bei meiner Bearbeitung an die Melodie gehalten, grundlegend geändert habe ich den Bass und den Rhythmus. Der A-Teil beginnt mit einem scheinbar graden 4er “bum-chack” der aber so ausgelegt ist, dass er auf einen 6er passt. Dazu gesellt sich ein treibender Bass, der auf den Beats eines 6/8 liegt. Die Melodie auf dem Klavier fasst man als Wehster erst einmal als geswingten 4er auf. Angelegt ist die Melodie aber schon als geswingter 6er. Und zwar die Sorte Swing wie sie bei den Malinke in West-Afrika bei Rhythmen wie “Soli” gespielt wird. 1. Achtel auf dem Beat, 2. Achtel stark vorgezogen, 3. Achtel leicht vorgezogen 4. Achtel wieder auf dem Beat. Das Bum check Schlagzeug dazu reibt sich kräftig an der Melodie oder umgekehrt.

Im B-Teil wird es dann ziemlich westafrikanisch. Die Melodie übernimmt das Balaphon (bzw. Ngoni) die Trommelbegleitung wechselt zu Malinke-Basstrommeln die eine typische 6er Begleitung spielen. Im Schlussteil gesellen sich beide Instrumentarien zusammen (oder durcheinander oder gegeneinander). Sonst noch vertreten ist ein Ride Becken mit 12er (bzw. 6er) Glocke und eine zur Unkenntlichkeit verformte E-Gitarre nur kurz, ganz am Anfang sozusagen als Auftakt.

Ich habe es hier als mp3-Datei abgelegt - hört mal rein und kommentiert.

Zufallsgrafik

8. Dezember 2011 von risottodirk

rakal_2011-170.jpgRandom Kalligraphy 2011-119

“wo der Zufall abnimmt nimmt der Abfall zu” (Sigward Sprotte)

Es ist Dezember und so langsam wird es Zeit sich ein Motiv für die Weihnachtskarten zu überlegen. Am besten für jeden Empfänger eine andere Karte. Ich habe eine alte Computergrafik ausgegraben, die mal vor Jahren programmiert hatte. Die Aufgabenstellung ist sehr einfach: zeichne 3 Kurven mit zufällig gewählten Ausgangspunkten, Zielpunkten und Steuerungspunkten und mit zufällig gewählter Linienstärke und zufällig gewählter Farbe. Manche Ergebnisse sind eher langweilig andere finde ich sehr spannungsgeladen. Aber schaut euch mal die Ergebnisse an.

Die Grafiken sind in PostScript programmiert. PostScript ist eine Seitenbeschreibungssprache, also eine Programmiersprache die beschreibt wie eine (gedruckte) Seite aussehen soll. Daher kann man der Code einfach an einen PostScript-Drucker schicken oder als eps-Datei in ein Layoutprogramm wie etwa InDesign einbauen. Die EPS-Dateien lassen sich auch in Photoshop öffnen und als Bilddateien abspeichern.

Der Witz an der Sache ist, dass der Zufall zu Hilfe genommen wird und die Grafik deshalb mit jeder Berechnung ein etwas anderes Aussehen erhält. Allerdings musste ich dem Zufall etwas auf die Sprünge helfen, man braucht einen Startwert (seed) damit jedesmal eine andere Reihe von Zufallszahlen berechnet wird. Ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein und begnüge mich mit der so erreichten Zufallsqualität. Die Zuhilfenahme von Quanten-Zufalsszahlen (z.B. http://www.randomnumbers.info/) war mir für diesen Zweck zu aufwändig.

Hier ist der Code:

%!PS-Adobe-2.0
%%BoundingBox: 0 0 400 400
statusdict begin /waittimeout 0 def end
/linienst
{
rand 10000000 div
setlinewidth
} bind def
/farbe
{
rand 2200000000 div
rand 2200000000 div
rand 2200000000 div
setrgbcolor
}bind def

/zufall5mio
{
rand 5000000 idiv
}bind def
/linie
{
newpath
zufall5mio
zufall5mio
moveto
6 {zufall5mio} repeat
curveto
}bind def

/zeichnen
{
farbe
linienst
linie
stroke
}bind def

101 srand % “seed” for random values, this parameter needs to be changed for every new graphic.

3 {zeichnen} repeat

showpage
%Trailer

Doodle Pixel

9. Mai 2011 von risottodirk

Cooles Hüpf- und Lauf-Spiel fürs iphone und ipod touch:

(Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Spielsuchtberater)

Die plötzliche Kehrtwende von Merkel & Co.

15. März 2011 von risottodirk

Die AKW-Befürworter haben bis Ende letzter Woche gebetsmühlenartig wiederholt, dass unsere AKWs sicher seien, nachdem die Laufzeiten der AKWs in Deutschland vor einem halben Jahr verlängert wurden. Und jetzt kommen aus den gleichen Kreisen auf einmal andere Töne. Die Sicherheitslage habe sich nach den Ereignissen in Japan geändert, oder so ähnlich lautet die Begründung für das Moratorium der Laufzeitverlängerung. Seehofer will kein Restrisiko mehr hinnehmen. Warum hat er es bisher hingenommen? Was hat sich eigentlich geändert an der Sicherheitslage in Deutschland? An der technischen Ausstattung der Anlagen kann sich am Wochenende nicht groß was geändert haben. Am mehr oder weniger kompetenten Personal auch nicht. Geändert hat sich nur die Wahrnehmung in Teilen der Bevölkerung. Und vermutlich sind das Anhänger von CDU/CSU/FDP und vielleicht noch ein paar SPDlern. Die anderen waren eh schon für einen zügigen Ausstieg aus der Kernenergie.

Diese Katastrophe kann man nicht einem kaputten Sowjet-Regime anhängen, wie vor 25 Jahren. Wenn in Japan so etwas passieren kann, kann sich auf einmal auch Frau Merkel vorstellen, dass bei uns so etwas auch passieren kann. Warum konnten unsere (FDP/CDU/CSU) Politiker sich das bisher nicht vorstellen?

Erklärungsmöglichkeiten sind:
1. Begrenztes Vorstellungsvermögen.
2. Man hat das Risiko wohl gesehen aber verschwiegen, bzw. geleugnet weil es nicht opportun ist solche Dinge klar und deutlich sagen: “Ihr wollt billigen Strom - den kriegt ihr auch, dafür bekommt ihr ein unkalkulierbares Risiko mitgeliefert. Es ist unwahrscheinlich, dass es knallt aber wenn es knallt, dann knallt es richtig. Das Problem der Endlagerung bekommen die nächsten 200 Generationen als Erbe.” Unsere Regierungsparteien haben nur einen Teil der Wahrheit verkündet, nämlich dass Kernenergie billig ist. Dass sie nur so lange billig ist wenn nichts passiert und man das Problem der Endlagerung vertagt, hat man auch verschwiegen.

Plausibel scheint mir Variante 2 zu sein. Es geht um Geld. Wer Öko-Strom will muss dafür auch bezahlen. Und diese Bereitschaft war sicher bei den meisten Wählern nicht vorhanden. Das hat sich inzwischen vielleicht geändert. Und jetzt müssen CDU/CSU/FDP alles daran setzen die nächsten Wahlen zu überstehen.

Alles nicht neues, alles schon da gewesen möchte man sagen aber diese 180-Grad-Wende ist schon kackfrech. Bis Ende letzter Woche verlautete aus CDU/CSU/FDP-Kreisen: “Die Kernkraftwerke in Deutschland sind sicher, und wer uns das nicht glaubt ist ein realitätsfremder Chaot, Nein-Sager, Blockierer”. Es wäre wenigstens angebracht kleinlaut zuzugeben, dass man sich geirrt hat, wenn man die bewusste Täuschung der Öffentlichkeit nicht zugeben möchte. Aber die Damen und Herren wissen auch jetzt schon wieder nach ihrer 180-Grad-Drehung wieder genau was richtig ist. Diese Arroganz ist einfach unglaublich.

Sind wir gespannt was passiert wenn in 3 Monaten das Moratorium ausläuft (oder abläuft?). Vielleicht ist dann schon wieder alles vergessen wie bei sich ständig wiederholenden Lebensmittelskandalen. Auch da geht es um Geld. Man empört sich kurz über kriminelle Verhaltensweisen aber man will sehr billig essen. Danach geht es weiter wie bisher.

Wie schreibt man Fremdwörter auf deutsch?

15. März 2011 von risottodirk

die Deutschen haben in den letzten 50 Jahren viele englische (amerikanische) Ausdrücke in ihren Wortschatz mit aufgenommen. Manche bedauern dies. Es war aber schon immer so, dass Menschen von kulturell dominanten Sprachgemeinschaften Wörter übernommen haben. Die Römer von den Griechen, die Germanen von den Römern, die Preußen von den Franzosen, und die ganze Welt von den Amerikanern. Nichts Neues also und auch nicht der Punkt worum es mir jetzt geht. Es ist einfach so, ob man es gut oder schlecht findet. Es ist aber interessant, wie die verschiedenen Sprachgemeinschaften mit Fremdwörtern umgehen.

In der gesprochenen Sprache versucht man mit den zur Verfügung stehenden Lauten das Original zu simulieren. Da die meisten Deutschen in der Schule Englisch gelernt haben, sind sie mit den Lauten der englischen (amerikanischen) Sprache mehr oder weniger vertraut und können die meisten englischen Ausdrücke, mit einigen Ausnahmen, verständlich wiedergeben. Wenn die Originallaute mit Lauten der eigenen Sprache oder den gelernten Fremdsprachen nicht wiedergegeben werden können, sind die Chancen für eine “Einbürgerung” auch deutlich geringer. Da die meisten Deutschen trotz Englischunterricht kein “th” sprechen können, sind Anglizismen mit “th” die Ausnahme. Mir fällt jedenfalls spontan kein Wort ein.

Beispiele für einigermaßen originalgetreu nachgesprochene Worte aus dem Englischen: Hit, cancel, Bug, Internet, Blog, mail, E-Mail, Computer, Amp(lifier) Meeting, Beat, Break, Rollerskate (-blade), Freak, Marketing, Business, Shareholdervalue, non-profit, Carsharing, Stop and Go, Park and Ride, Handy (hat eine Sonderstellung, da dieses Wort ein deutsches Wort ist das mit Hilfe der englsichen Sprache erfunden wurde und, inzwischen schon, witzigerweise, von manchen “native speakern” der engl. Sprache übernommen wird) usw.

aus dem französischen: Friseur, Restaurant, Portemonnaie, Madame, Fin de siècle, Hautgout, Gratin, Savoir vivre, Salon, Amuse Geule, Apéritiv, Digestiv, Chaiselonge, Parterre, Étage, usw.

aus dem Norwegischen: Ski

Natürlich gibt es noch Einflüsse aus anderen Sprachen, vor allem aus dem (alt-)Griechischen, dem Lateinischen und dem Arabischen, aber da habe ich keinerlei Kenntnisse über die “richtige” Aussprache.

Wenn der deutschsprachige Leser nun diese Worte sieht, kann er, wenn er die Worte nicht kennt, nicht wissen aus welcher Sprache die Originale stammen und welche Ausspracheregeln gelten. Im Zweifelsfall kann man natürlich vermuten, dass sie aus dem Englischen kommen und eine angemessene Aussprache simulieren, aber das ist oft Glücksache und gelingt nicht einmal “Native Speakern” mit Sicherheit.

Warum deutsch man nicht einfach die Schreibweise ein? Das Wort Ski kennt man normalerweise und muss die fremden skandinavischen Ausspracheregeln kennen um aus “sk” ein “sch” zu machen. Man weiß es aber nur, weil das Wort schon sehr lange zum deutschen Wortschatz gehört. Die Skandinavier übrigens machen das so: Frisør (DK, N), Restaurang (S), Gratäng (S), Dies Worte sind auch mit der Schreibweise eingebürgert und können vom skandinavischen Leser sofort “richtig” ausgesprochen werden.

Radikal machen es uns die Japaner vor. Sie haben ein eigenes “Silbenalphabet” (Katakana) das fast nur für Fremdworte gebraucht wird. Alle Fremdworte werden so angepasst, dass sie mit japanischen Silben wiedergegeben werden können. Das hat Folgen. Die erste ist, dass jeder Japaner das Wort lesen und verstehen kann. Die zweite Folge ist, dass das Original hinter der japanisierten Form oft nicht mehr zu erkennen ist. Die dritte Folge ist, dass die Japaner auch noch neben Hiragana und Kanji noch ein “3. Alphabet” lernen müssen, das aber nur 48 Zeichen hat und deswegen für Japaner eher eine Kleinigkeit ist.

Ich finde, wir sollten Fremdwörter auch der Einfachheit halber in Schrift und Sprache so germanisieren, dass sie von allen Deustchen gelesen und ausgesprochen werden können.

Also: Hit (bleibt), känssel statt “cancel”, “Bagg” statt “Bug”, Internet (bleibt), Blogg statt Blog, mäil sttatt mail, Iemeil statt E-Mail, Kompjuter statt Computer, Ämp statt Amp(lifier), Mieting statt Meeting, Biet statt Beat, Breik statt Break, Roullerskeit statt Rollerskate, Friek statt Freak, Marketing (kann bleiben), Bisness statt Business, Shareholdervalue (sollte man ganz drauf verzichten ;-)), unprofitabel stattt non-profit, Karschäring statt Carsharing, stop änd gou statt Stop and Go, Park änd Reide statt Park and Ride, Händi statt Handy.

Vielleicht fange ich einfach damit an.